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Einfamilienhaus in Oppeln

Diese ungewöhnliche Wohnanlage entstand in einem kleinen polnischen Ort unweit von Oppeln. Die Bewohner sind erfolgreiche Geschäftsleute. Sie wollten ursprünglich nur eine Erweiterung ihres elterlichen Hauses um ein Wohnzimmer. Architekt Maciej Rempalski war anfangs so gar nicht begeistert von diesem Auftrag. Doch bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass die Bewohner, die oft geschäftlich verreisen, zu Hause eine Insel der Erholung suchen. Einen Ort, an den man sich zurückziehen, abschalten und unbeobachtet Fitness betreiben oder schwimmen kann. Nach den ersten Gesprächen mit dem Architekten stand fest, dass das beruflich engagierte Ehepaar ein neues zeitgemäßes Haus braucht und ihr altes Haus gleichzeitig sehr gut als Gästehaus dienen kann.

Aus der einst erwünschten Wohnzimmererweiterung entwickelte sich ein eigenständiges, großräumiges Bauwerk. Das imposante Objekt umschließt einen Innenhof von drei Seiten. Basierend auf KS-Mauerwerk wurde zur Straße hin eine robuste, rustikale Holzbrett-Fassade aus sibirischer Fichte errichtet. Diese massive Holzfassade erinnert mit ihrem Rhythmus an einen Wald und wirkt zugleich wie eine schwere, massive Zaunanlage. Hinter der hölzernen Bekleidung sorgen 20 cm Mineralwolle für den Wärmeschutz. 18 cm Mineralwolle wurden im Dachgeschoss unter der Schieferdeckung verbaut und ebenfalls 18 cm auf allen KS-Mauerwerken mit WDV-System.

Schiefer als Zentrum:

Die Mitte des neuen Baukörpers sollte etwas Starkes sein, deshalb entstand ein Zentrum aus Stein. Das passt zu Holz und Glas und alles zusammen zum umgebenden Wald. Das Zentrum, das optisch einer Scheune ähnelt, erinnert an die hier auf dem Lande üblichen Bauten. Auf dem Satteldach dieses Gebäudes wurde eine Rechteck-Doppeldeckung aus Schiefer der Größe 40x25 cm von Rathscheck eingesetzt. Dieses Dach hat an der Traufe eine versteckt liegende Kastenrinne, sodass die Geometrie dieser „Scheune“ absolut glatt und schlicht wirkt: keine Rinne, kein Fallrohr.

Dynamisch edel:

An den Wänden ist das Bauwerk rundum mit einer sogenannten Dynamischen Deckung bekleidet. Diese Fassade sieht aus als wäre sie aus Steinen geschichtet, besteht aber dennoch aus klassischem Schiefer verschiedener Größen. Drei verschiedene Gebindehöhen wurden an diesen Wänden realisiert. Basierend auf einer Überdeckung der Steinlagen von 4 cm weisen die umlaufenden Steingebinde Höhen von 8,5 cm, 11 cm und 16 cm auf. Für dieses Objekt lieferte Rathscheck Schiefer Rohsteine der Größen 40x12,5, 40x15, 30x15, 40x20 und 30x20 cm. Aus diesen Steinen verschiedener Länge und Höhe gestalteten die Dachdecker Wandflächen mit unregelmäßigen, dynamischen Optiken.    

Die Dynamische Deckung ist eine moderne Deckart, die einfach zu erlernen ist. Die Steine sind mit einfacher Höhenüberdeckung von mindestens 40 mm auf Stoß gedeckt. Die Stoßfugen werden mit 100 mm breiten Metallstreifen hinterlegt. Der Versatz der Stoßfugen soll mindestens 50 mm betragen. Das Beispiel zeigt, dass Schiefer nicht immer traditionell und klassisch aussehen muss. Auch für eine moderne Architektur ist dieses edle und haltbare Spaltgestein sehr gut eignet.

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Schiefer als Akzent

Rechteck-Doppeldeckung auf dem Dach und Dynamische Deckung an der Wand.

Gespräch mit Architekt Maciej Rempalski

Frage: Das neue Bauvorhaben überrascht mit seinen ungewöhnlichen Geometrien. Wie ist es zu diesem Bauwerk gekommen?

Rempalski: Den Anfang machte ein Anruf. Die Bauherren wollten in ihrem elterlichen Haus das Wohnzimmer vergrößern. Es sollte irgendwie bequemer werden. Ich war als Architekt von der Anfrage nicht begeistert. Aber speziell die Bauherrin drängte mich vorbeizukommen. Und so gab ich nach.

 

Frage: Aus der telefonischen Anfrage entwickelte sich eine reizvolle Aufgabe. Was ist geschehen?

Rempalski: Als wir uns das erste Mal trafen war schnell klar, dass die Bauherren eigentlich keine Vorstellung davon hatten, was sie wollten. Der Prozess, der begann war lang und kompliziert. Die Bauherren berichteten von Ihren Kindern, von ihrem engagierten beruflichen Leben oder von ihren Reisen rund um die Welt. Ihr zukünftiges Zuhause stellte sich als Ruhe-, Erholungs- und Arbeitsstätte heraus. Der Neubau wurde irgendwann als Zone eines besseren Lebens bezeichnet. Fast alles ist auf einer Ebene organisiert. Außer Schlaf-, Badezimmer und Garderobe in einem oberen Raum, befinden sich Wohnzimmer, Küche, Essecke, Billardsaal, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad im Erdgeschoss. Das ursprünglich alte Haus wird als Gästehaus für die Kinder genutzt, wenn sie zu Besuch kommen, oder das Hauspersonal nutzt es.

 

Frage: Die Eleganz dieses Anwesens beeindruckt. Woher die Perfektion?

Rempalski: Die viel gereisten Bauherren wissen was gut ist. Gesunde, natürliche Baumaterialien, edle Gesteine und Fliesen, Türen zum Beispiel aus Italien. Perfekte Details findet man hier überall.

 

Frage: Ursprünglich sollte es nur ein Wohnzimmer sein. Sie haben eine neue Wohnwelt geschaffen. Wie reagieren darauf die Bauherren?

Rempalski: Die Bauherren sind sehr warme und aktive Menschen. Sie engagieren sich zum Beispiel für schwer erziehbare Jugendliche. Und sie können sich wirklich aufrichtig über ihren Erfolg und ihr neues Zuhause freuen.

 

Frage: Sie haben Ihre Bauherrn mit dem Bauvorhaben regelrecht beglückt?

Rempalski: Die Aufgabe eines Architekten besteht nicht nur darin, eine Gebäudegeometrie zu erschaffen, sondern seinen Bauherren Räume zu gestalten, die zu ihren Bedürfnissen passen. Nach innen ist es hier dezenter, heller Luxus, nach außen eine robuste Holzfassade wie ein Zaun mit einer geometrisch schlichten Schieferscheune mittendrin. Zusammen mit den geschützten Einsichten in die Glasfronten des Hauses entsteht so eine intime und komfortable Wohnatmosphäre.

Besten Dank für das Gespräch

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Einfamilienhaus in Oppeln

Neubau eines Einfamilienhauses unweit von Opole, PL

Bauherr:
privat

Architekten:
modern studio architektury, Maciej Rempalski

Dachdecker:
Zimmermann-Haus, Jan Dymek und Bogusław Biemer

Dach- und Fassadenmaterial:
InterSIN®

Schieferdeckart:
Rechteck-Doppeldeckung (Dach) und  Dynamische Deckung (Wand)

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