Rathscheck Schiefer 
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Grundsätze und Zusammenfassung

Die Ausführungen können und sollen die Kriterien-Vielfalt nur anreißen. Sie stehen unter dem Ziel einer Orientierungshilfe für die Verwendung von Schiefer an Dach und Wand. Unter diesem Blickwinkel lassen sie sich wie folgt zusammenfassen:

Auf fünf Kernpunkte kommt es an:

  • Schiefer als Material.
    Schiefer ist nicht gleich Schiefer.
  • Schiefer ist natürlich, umweltfreundlich und besitzt eine günstige Ökobilanz.
    Naturbaustoff ist nicht gleich Naturbaustoff.
  • Die Bearbeitung zu einem einwandfreien Deckstein, auch im Sinne der deutschen Fachregeln.
    Bearbeitung ist nicht gleich Bearbeitung.
  • Die fachgerechte Verlegung.
    Verlegung ist nicht gleich Verlegung.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Verlegung.
    Deckart ist nicht gleich Deckart.

Prüfung bei Importen

  • Export-Ländern fehlt häufig Praxis-Erfahrung und die Möglichkeit der Differenzierung verschiedener nationaler und regionaler Anforderungen.
  • Daher sind bei Importen besondere Kenntnisse und Organisations-Formen als Vorsorge notwendig.
  • Die Risiken-Eingrenzung ist besonders schwierig. Nur für Experten ist sie möglich. Verwechslungsgefahren sind groß.

Materialnormen zeigen nur Risiken-Tendenzen:

  • Normen können unterschiedlich ausgestaltet sein. Sie sind immer nur so gut, wie die Ergebnisse konkrete Hilfen bieten.
  • Deutschland kennt bisher nur Prüfnormen. Anforderungsnormen bestehen nicht. Aber selbst sie könnten nur Tendenzen für mögliche Risiken aufzeigen und Langzeiterfahrungen nicht ersetzen.
  • Gerade die neuen Normen auf europäischer Ebene müssen auf alle Hersteller und alle damit zusammenhängenden Qualitäten Rücksicht nehmen. Sie sind nur absolute Mindestanforderungen, die zunächst nur eine relativ geringe Lebensdauer garantieren.
  • Normen können auch nicht bis zum Exzess getrieben werden. Umfangreiche Bestimmungen, die nicht eingehalten werden, sind wertlos. Wettbewerb ist wirksamer.
  • Effektiver ist eine individuelle, gegebenenfalls auch kostenintensive Kombination von Sonderanalysen mit Praxis-Erfahrungen.
  • Erfahrungen können regional different sein.

Der beste Schiefer ist auf Dauer billiger

  • Entscheidend ist nicht der Anschaffungspreis, sondern sind die Kosten pro Nutzungszeit. Mängel kosten schon bei der Verlegung mehr. Und später auftretende Mängel kosten mehr als das Doppelte.
  • Mängel zeigen sich bei Schiefer häufig erst nach 15 bis 20 Jahren. Der Erfahrungs-Zeitpunkt dauert also lange
  • Vor allem sind bezüglich des Materials um so weniger Kompromisse zulässig, wie die Lohn-(Verlege-)Kosten mit der Deckart steigen. Forderung: je exklusiver die Deckart, desto exklusiver das Material.

Anforderungs-Erwartungen in Deutschland am höchsten

  • Die Anforderungs-Erwartungen an Schiefer sind in Deutschland am höchsten.
  • Wesentliche Erwartungen sind Verwitterungs- und Farbbeständigkeit (keine Verblassung, keine Oxydation). Für die Unbeständigkeit in Farbe und Verwitterung können relativ hohe Anteile von Calcium-Carbonat (CaCO3) und Eisen-II-Oxid (FeO) Signale sein. Körnige und oxydierende Pyrite bergen Risiken.
  • Die deutschen Deckarten lassen keine Kompromisse zu.

Schiefer ist ein attraktives Naturprodukt mit langer Tradition

  • Schiefer ist ein Naturprodukt. An Dach und Wand kulturhistorischer und anderer Gebäude hat er sich seit Jahrhunderten bewährt und ist in Ästhetik und Standzeit kaum erreicht. Es gibt nachweislich bei besten Schiefern Standzeiten von 250 Jahren und mehr (u.a. Burg Eltz 1780 mit Moselschiefer eingedeckt: 1986 - nach 206 Jahren - wurden Teildeckungen erneuert, nur weil die Nägel erodiert waren).
  • Die Materie ist aber so komplex, dass sie in die Hand von Fachleuten gehört. Alles andere ist Risiko.
  • Die Attraktivität des Schiefers verbindet sich mit vielen Geheimnissen. Daher ist für die Erfüllung des Bauherrentraumes Schiefer der Rat durch Experten am sichersten.

Forderung: je exklusiver die Deckart, desto exklusiver der Schiefer

Da zur Bildung eines guten Dachschiefers eine ganze Reihe von Einflussgrößen in günstiger Weise zusammentreffen musste, variiert naturgemäß die Materialbeschaffenheit von Vorkommen zu Vorkommen.

Es liegt im gemeinsamen Interesse von Bauherren, Architekten, Dachdeckern und auch der Schieferindustrie, dass nur Schiefer aus den besten Vorkommen auf dem Markt angeboten werden. Dies betrifft insbesondere die exklusiven und dekorativen deutschen Deckarten, die ein hohes Maß an handwerklichem Können dem verlegenden Dachdeckermeister abverlangen.

Insofern sind die Anforderungen an den Schiefer in Deutschland wesentlich höher als in anderen Ländern. Dabei sind die preiswerten Schieferdeckarten mit Dachdeckung industrieller Kunstprodukte preislich durchaus konkurrenzfähig.

Im Interesse des guten Rufes des Schiefers insgesamt aber muss dagegen vor zweifelhaften und vermeintlich billigen Qualitätskompromissen gewarnt werden.

Am sichersten ist der Rat durch Fachleute

Aufgrund der verstärkten Importe gerade in diesem Niedrigpreisbereich aus Ländern, die mangels bestehender Normen bzw. aufgrund anderer Mentalitäten die Gütekontrollen nicht so strikt handhaben wie dies vielleicht der eine oder andere Produzent tut, besteht durchaus die Gefahr, dass über fachfremde Importeure Schiefer weniger guter Qualitäten auf den deutschen Markt kommen. Der niedrigere Preis verlockt, Qualitätsgesichtspunkte hintenan zu stellen, zumal deren Beurteilung äußerst komplex und vielschichtig und von Laien nicht zu übersehen ist.

Aber die Bauherren werden sich nicht mehr an den Preis erinnern, wenn sich Probleme auf dem Dach oder an der Wand auftun. Sie erinnern sich aber sehr wohl an die verlegende Dachdeckerfirma bzw. an den ausschreibenden Architekten. Übrigens kostet es das Gleichevom Verlegeaufwand her gesehen - ob guter oder weniger guter Schiefer verlegt wird. Wer an der Materialqualität spart, gefährdet die Wirtschaftlichkeit der Eindeckung. Er spart am falschen Fleck, insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Materialaufwand oft lediglich bei 30 bis 50 Prozent der Eindeckungskosten liegt, Gerüstkosten usw. nicht mitgerechnet. Der beste Schiefer ist auf die Dauer auch der preiswerteste!

Nur Anbieter mit Langzeiterfahrung und einer leistungsfähigen Gütesicherungs-Kontrollorganisation auf allen Stufen der Produktion und Bearbeitung bieten letztlich Gewähr für einwandfreien Schiefer. Wie stand doch noch in der Einleitung der amerikanischen Schiefernorm:

»Schiefer wird normalerweise als die beständigste Art der Dachdeckung angesehen, und wenn er richtig gewählt und richtig eingebaut wird, so kann er unter Umständen der dauerhafteste Teil des Gebäudes sein.«

Die erläuterten Zusammenhänge und die Bewusstseinsbildung für die vielfältigen komplizierten Fachdetails sollten deutlich gemacht haben, dass die Auswahl, Bearbeitung und Verarbeitung des schönen Naturbaustoffes umfangreiches Fachwissen erfordern. Schiefergewinnung und -bearbeitung, architektonische Gestaltung und Deckung an Dach und Wand gehören in die Hände von Spezialisten bei Schieferbergbau, Architektur und Dachdeckerfirmen, damit Qualität auf allen Stufen voll gewährleistet ist.

In diesem Sinne versteht sich auch der Titel dieses Beitrages:
Schiefer - natürlicher Baustoff für Kenner und Könner.

Ewald A. Hoppen

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