Schiefer ist ein leicht umgewandeltes (»sehr schwach metamorphes«) Sediment-(Ablagerungs-) Gestein. Er entstand in unserem Raum vor allem in der Devon-Zeit vor 350 bis 400 Millionen Jahren durch Ablagerung von feinstkörnigen Tonschlamm-Massen, die sich unter dem Auflagerungsdruck in Tonstein verfestigten. Bei der späteren Gebirgsbildung wurden die Tonsteinschichten durch seitlichen Druck aufgefaltet. Während dieser tektonischen Vorgänge zerscherten die tonigen Gesteine. Die ursprünglichen Tonminerale wurden entlang dieser feinsten Scherfläche gedehnt und kristallisierten unter druckbedingter Erwärmung zu neuen, höherwertigen, plättchenförmigen Mineralien (Glimmer) um. Dadurch wurde dem ursprünglichen Tongestein ein neues Strukturelement aufgeprägt: die Schieferung. Die gleichförmige Einregelung der Minerale parallel zur Schieferung, ihre Verzahnung untereinander und die Bildung vieler dichtständiger, mikroskopisch feiner Glimmerlagen erzeugt die für den Dachschiefer so charakteristische Spaltbarkeit.
Schiefer: Wissenschaft und handwerkliche Erfahrung zugleich

Ablagerungsgestein im Gegensatz zum Vulkan-(Eruptiv-)Gestein
Die Meeresablagerungen bestanden jedoch nicht nur aus reinen Tonschlick-Massen. Ein Blick auf das Wattenmeer an der Nordseeküste vermittelt einen lebendigen Eindruck von den Vorgängen und Bewegungen, die sich vor rund 400 Mio. Jahren abgespielt haben müssen. Neben dem feinen Tonschlamm wurden auch sandigere und siltigere Materialien in aufeinanderfolgenden Schichten unterschiedlicher Mächtigkeit abgelagert. Erze und andere »Verunreinigungs«-Partikel wurden von den Flüssen angeschwemmt. Tiere und Pflanzen bevölkerten das Devon-Meer und finden sich als Versteinerungen wieder, bzw. erklären ursächlich das Vorhandensein von Schwefel- und Kohlenstoffverbindungen im Gestein.
Unzählige feine Glimmerlagen
Die Zusammensetzung des Ausgangsmaterials, wie auch die Einwirkung der tektonischen Vorgänge auf die Sedimentationsschichten, waren von Ort zu Ort höchst unterschiedlich. Dachschiefer ist also ein Produkt geologischer Zufälle: Er entsteht nur aus reinem Tonstein ohne nennenswerte Silt- und Sandlagen. Bei der Faltung durfte er nur eine, dafür aber ideal ausgebildete Scher- bzw. Schieferungsfläche erhalten, weitere störende Trennflächen (z.B. Klüftungen) durften möglichst nicht entstehen. Dies alles erklärt beispielsweise die von Lagerstätte zu Lagerstätte unterschiedlichen mineralischen Zusammensetzungen und Eigenschaften des Schiefers, bei manchen Lagerstätten das gelegentliche Vorhandensein von Fremdeinschlüssen metallischer Art (Pyrite), die breiten Differenzierungen in der Körnigkeit, Kristallisation, in der Anzahl der Glimmerlagen, in der Art der Verzahnung und vieles mehr.
Eigenschaften und Qualitäten des Schiefers: Jede Lagerstätte ist anders
Neben den Tongesteinen wurden auch die anderen sandigeren bzw. siltigeren Schichten von den tektonischen Vorgängen erfasst. Sie grenzen die eigentlichen Dachschieferpartien ein, z.T. durchziehen sie den Schiefer sogar in feinen Bändern, den sogenannten Krappen, und erschweren den Abbau. Um daher an das Schiefervorkommen (vom Fachmann Richten oder Lager genannt) selbst heranzukommen, muss der Bergmann zunächst einmal diese Nebengesteinsschichten »durchfahren«, um dann in den »Richten« die guten, d.h. abbauwürdigen Schieferpartien zu ermitteln. Aus diesem Grunde verbleiben im untertägigen Schieferbergbau, eine fachgerechte Selektion vorausgesetzt, in aller Regel nur 5 bis 20%, im Mittel 10% der bewegten Gesteinsmassen als verkaufsfähiges Endprodukt. Der Rest dient als bergbautechnischer Versatz oder gelangt, da unbrauchbar oder minderwertig, auf der Schutthalde. Bei Tagebau-Gewinnung kann der Anteil der Verwendungsfähigkeit auf 3% sinken.
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